Zentangle Anleitung: Kreative Ruhe für Körper und Geist

Zeichnen ist ein ideales Werkzeug, um abzuschalten und den Alltag zu vergessen. All zu oft rückt dabei allerdings der Ergebnisdruck in den Vordergrund und plötzlich stresst du dich selbst – obwohl du dich eigentlich entspannen wolltest. Kommt dir das bekannt vor?

Genau hier setzt die Zentangle® Methode an! Sie rückt den meditativen Charakter des Zeichnens in den Vordergrund und hilft dabei, aktiv zu entspannen.

In meiner Zentangle Anleitung zeige ich dir, wie du in wenigen Schritten in den Genuss dieser Methode kommst.

Das Ziel der Zentangle Methode

Wie, es gibt doch ein Ziel? Ohja! Das große Ziel beim Tangeln ist es, den Prozess des Zeichnens zu genießen und völlig absichtslos zu gestalten. Du solltest beim Tangeln nicht mit einer Motiv Vorstellung starten, sondern frei von jeglichen Zwängen Muster entstehen lassen. Das ist ein großer Unterschied zu anderen Zeichentechniken, wie zum Beispiel dem Doodeln.

Die Abkehr von der Ergebnisorientierung ist ebenso wichtig wie schwierig.

Schon zu Schulzeiten wurden wir darauf trainiert, Ergebnisse zu liefern. Bei kreativen Themen (wie ich sie auf diesem Blog nur all zu gern behandle), ist es oft das fertige Werk, dass über unsere Zufriedenheit entscheidet. Abgesehen davon, dass wir diese Wahrnehmung für mehr Glück und Zufriedenheit grundlegend ändern müssen, ist die Zentangle Methode der perfekte Lehrmeister für diese Betrachtungsweise.

Es ist daher nicht verwunderlich, dass die Zentangle Technik von einer Künstlerin (Maria Thomas) und einem ehemaligen Mönch (Rick Roberts) erfunden wurde. Maria und Rick gründeten die gleichnamige Firma Zentangle Inc. und schufen mit dem Tangeln eine neue Entspannungsmethode die tatsächlich eine Schnittmenge aus Kunst und Meditation ist.

In 8 Schritten zu deinem ersten Zentangle Muster

Mit der richtigen Einstellung können wir uns gemeinsam deinem ersten Zentangle Muster widmen. Ich halte mich bei meiner Zentangle Anleitung ganz nah an den ursprünglichen Anweisungen von den Erfindern der Methode.

In der Regel werden für die Muster 8,9 cm x 8,9 cm große Papier oder Karton Zuschnitte genutzt (auch „Tiles“ genannt). Für den ersten Versuch kannst du dir alternativ ein passendes Quadrat aufzeichnen oder Druckerpapier entsprechend zuschneiden. Auch ein Punktraster eignet sich natürlich als Basis für die folgenden Schritte.

Eine selbst zugeschnittene Zentangle Kachel

Die Maße sollten ungefähr passen, damit die auszufüllende Fläche nicht übermäßig groß wird. Nun brauchst du nur noch einen Bleistift und einen Fineliner (zur Not tut es auch ein Kugelschreiber).

1. Dankbarkeit fühlen

Schon wieder so ein Meta-Thema. Und das zu Recht! Wenn Papier und Stifte bereit liegen, atmest du einige Male tief und ganz bewusst durch. Sei dankbar für deine kleine Auszeit und die Materialien, die du für deine Muster einsetzen darfst. Zeige deine Wertschätzung gegenüber dem Papier und dem gesamten Moment.

Dankbarkeit fühlen

2. Die Eckpunkte definieren

Am Anfang gibt es oft die Angst vor dem weißen Blatt. Wohin mit dem ersten Strich? Wo ist der perfekte Anfang? Diese Grübelei kannst du dir glücklicherweise sparen. Die Anweisung lautet: Nimm deinen Bleistift und zeichne einen Punkte in jede Ecke. Der Punkt ist ungefähr soweit vom Rand des Papiers entfernt, wie dein Bleistift breit ist.

Eckpunkte definieren

Problem gelöst – das Blatt ist nicht mehr leer und die Hürde für jeden weiteren Schritt überwunden.

3. Umrandung zeichnen

Verbinde die Eckepunkte, sodass ein Quadrat entsteht. Die Linien dürfen gerade, aber auch leicht geschwungen sein. Und denk gar nicht erst daran, zu einem Lineal zu greifen. Wir wollen Entspannung, nicht Perfektion!

Zentangle Umrandung einzeichnen

4. Deine Kachel unterteilen

Mit einer oder mehreren weiteren Linien unterteilst du die entstandene Fläche in einzelne Bereiche. Diese Linien nennen sich „Strings“ und dürften ebenfalls geradlinig oder geschwungen sein. Die neuen Flächen dienen dir jetzt als Basis für deine Zentangle Muster.

Kachel unterteilen

5. Muster entwickeln

Nun ist es Zeit für den Kernprozess: Das Tangeln. Dabei geht es um die Entstehung der (sich wiederholenden) Muster. Jetzt ist endgültig Zeit loszulassen und die Muster zu nehmen, wie sie kommen. Vertrau darauf, dass sich alles irgendwie fügt und denke nicht an das Endergebnis!

Muster entwickeln

Deine Kachel kannst du während des Zeichnens natürlich drehen, wie du möchtest. Hauptsache du nimmst eine entspannte Haltung ein und lässt die Muster fließen.

Für die Anleitung habe ich ganz bewusst darauf verzichtet, ein Muster zu planen. Es sollte genau so entstehen, wie ich es hier beschreibe!

Mein fertiges Zentangle Muster

6. Muster schattieren

Mit deinem Bleistift fügst du deinen Mustern nachträglich einige Schattierungen hinzu. Nutze dabei verschiedene Grautöne, um Tiefe zu erzeugen. So wirken deine Tangles am Ende richtig dreidimensional.

Zentangle schattieren

Hinweis: Dieser Schritt ist zwar in der ursprünglichen Anleitung genannt, ich stufe ihn jedoch gern als optional ein. Für mich ist die Entstehung der Muster die schönste Aufgabe, das Schattieren lasse ich meistens weg.

7. Signiere deine Kachel

Du hast soeben ein kleines Kunstwerk geschaffen, während du den Prozess der Kreation genossen hast. Signiere es! Nutze dazu deine Unterschrift, deine Initialen oder dein eigenes Zeichen.

Kachel signieren

Auf der Rückseite der Kachel hast du außerdem Platz für weitere Informationen. Halte das Datum und bei Bedarf weitere Gedanken fest.

8. Wertschätzung deines Ergebnisses

Jetzt geht es doch noch um das Ergebnis. Lass deine Zentangle Kachel nicht einfach verschwinden und kehre zum Alltag zurück, sondern gönne dir einen Moment, um dein entstandenes Kunstwerk zu betrachten.

Nimm die Kachel in die Hand und betrachte sie aus unterschiedlichen Winkeln. Sei stolz auf das, was du soeben aus dem Nichts erschaffen hast und behalte den entspannten Geisteszustand bei, wenn du dich nun wieder um etwas Anderes kümmerst.

Wertschätzung gegenüber der eigenen Kreation

Herzlichen Glückwunsch! Du hast soeben eine geniale Methode kennengelernt, um die Sorgen des Alltags zu vergessen. Nun steht vielen weiteren Zentangles nichts mehr im Wege.

Muster entdecken

Nun ist es so, wie es immer ist: Du entdeckst eine spannende Methode und sollst völlig frei vom Ergebnis kreieren. Doch ganz ohne Inspiration fällt dir nichts ein und du weißt nicht so recht, wie du überhaupt zu einem Muster kommst. Dann suchst du im Internet nach möglichen Mustern und plötzlich hast du doch wieder ein Ziel vor Augen und bringst den meditativen Prozess in Gefahr.

Heutzutage ist dies ein ganz typisches Problem. Früher lag der Fokus auf dir und du konntest nicht mit einem Klick tausende Ideen ansehen. Du hast einfach gestaltet, wie es dir in den Kopf kam. Du hast deine Fantasie genutzt!

Erinnere dich an genau diese Fantasie, wenn du deine ersten Muster entwickelst. Lass dich von der Natur inspirieren, Blicke auf ein Mauerwerk oder denk an die Unendlichkeit des Universums.

Erst wenn du genügend eigene Versuche unternommen hast, darfst du einen Blick auf weitere Möglichkeiten werfen. Mittlerweile gibt es große Sammlungen von Zentangle Mustern, die du als Inspiration nutzen kannst. Teilweise werden die Muster sogar Schritt für Schritt gezeigt. Diese Anleitungen nennen sich auch Stepouts.

Schau dir gern andere Muster an und versuche, sie zu reproduzieren. Wenn du deine nächste Kachel entstehen lässt, sollte das Ergebnis aber wieder unwichtig werden.

Der Ursprung der Zentangle Methode

Das Wort „Zentangle“ ist eine Wortneuschöpfung aus den Begriffen „Zen“ und „tangle“.

  • Zen bezieht sich dabei auf den meditativen Charakter der Methode und knüpft an den Zen-Buddhismus an, in dem es vor allem um das bewusste Erleben des Augenblicks geht.
  • Das „tangle“ kommt aus dem Englischen und heißt „Gewirr“ oder auch „verwirren/verheddern“. Es bezieht sich auf die kleinteiligen Muster, die beim Zentangeln entstehen.

Maria und Rick schufen dieses Wort, nachdem sie zufällig eine Überschneidung von Kunst und Mediation entdeckten. Dies geschah, als Maria an dem Hintergrund eines ihrer Bilder saß und dieses mit Mustern füllte. Im Gegensatz zu den präzisen und schwierigen Linien im Vordergrund, die einen Buchstaben zeigten, ließen sich die zweitrangigen Muster unkompliziert malen.

In exakt diesem Moment wurde Maria von Rick unterbrochen, sodass sie feststellte, in welchem Zustand sie zwischenzeitlich versunken war. Vertieft in den Augenblick, selbstlos und zeitlos kümmerte Maria sich um die Muster und beschrieb dieses Gefühl. Rick, der seit vielen Jahren meditierte erklärte ihr, dass sie praktisch von Meditation spricht.

Aus diesem Zufall entwickelten die beiden ihre Methode, den Namen und schließlich ihr Unternehmen. Geboren war eine Technik, die sehr leicht zu erlenen ist, die Kreativität fördert und eine Wohltat für Körper und Geist darstellt.

Begriffe rund um das Thema Zentangle

Wie so häufig stammen die Begriffe rund um die Zentangle Methode aus dem Englischen und werden auch in deutschsprachigen Texten genutzt. Dies ist nicht immer eindeutig, aber oftmals ist eine direkte Übersetzung relativ schwierig. Außerdem wünschen sich Maria und Rick, dass bestimmte Begriffe und Formulierungen genutzt werden.

Aus diesem Grund habe ich dir eine kleine Liste erstellt, in der du die wichtigsten Begriffe findest – inklusive Erklärung.

Certified Zentangle Teacher (CZT)Ausgebildeter / zertifizierter Zentangle Trainer. Diese Bezeichnung darf nur nach einem entsprechenden Seminar bei Maria und Rick genutzt werden.
MosaicEin „Mosaic“ entsteht, wenn mehrere quadratische Zentangle Kacheln direkt aneinander gelegt werden.
StringAls „Strings“ bezeichnet man die Grundlinien in einem Zentangle, die dafür sorgen, dass mehrere Bereiche entstehen.
TangleDas „Tangeln“ ist der Kernprozess der Zentangle Methode. Das Wort soll bewusst anstatt „Zentangeln“ als Verb genutzt werden.
TileAls „Tiles“ werden die ausgeschnittenen Kacheln bezeichnen, auf denen die Muster entstehen. Sie haben eine Größe von 89 mm x 89 mm.
Zentangle Inspired Art (ZIA)Kunst, die von der Zentangle Methode inspiriert ist. Darunter fallen auch Werke, bei denen die Muster auf andere Materialien aufgebracht oder andere Papierformate genutzt werden.

Alle weiteren Begriffe kannst du dir im Glossar von Maria und Rick ansehen.

Kritik an der Kommerzialisierung

Ich betrachte solche Themen und Trends immer sehr zwiegespalten. Einerseits bin ich ein großer Freund von kreativen Techniken und finde es genial, wie solche Themen entwickelt werden. Ich freue mich, Neues zu entdecken, auszuprobieren und verschiedene Dinge zu kombinieren.

Andererseits sehe ich dann, dass Wörter geschützt werden, exklusives Material angeboten wird und Lizenzen vergeben werden. Vor allem, wo doch die Kernidee, Muster zu malen, gar nicht so neu ist. Wir kennen das Prinzip zum Beispiel aus Malbüchern oder von Mandalas.

Durch die Kommerzialisierung bekommt die Leichtigkeit und positive Ausstrahlung der Zentangle Methode für mich einen leichten Dämpfer. Und das sage ich, obwohl ich diese Schritte absolut nachvollziehen kann! Als jemand, der von seiner Kunst und Kreativität lebt, verstehe ich Maria und Rick sehr gut. Mit meinen Online Kursen mache ich im Prinzip etwas Ähnliches.

Was das für dich heißen soll? Du musst nicht zwangsläufig fertig zugeschnittene Papierkacheln kaufen, den besten Fineliner haben oder einen Trainer aufsuchen. Nutze die Zentangle Methode so, wie es für dich passt und mit dem, was du sowieso zu Hause hast.

Im Laufe der Zeit kannst du dein Wissen bei Bedarf vertiefen und auf andere Materialien zugreifen.

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