Auge zeichnen lernen

TĂ€glich sehen wir in fremde und in unsere eigenen Augen. Doch hast du jemals auf die feinen Details geachtet, die wir brauchen, wenn wir ein Auge zeichnen wollen?

Genau das werden wir heute tun! Wir zeichnen zusammen ein Auge – Schritt fĂŒr Schritt mit RĂŒcksicht auf die markanten Strukturen, Reflektionen und Schattierungen, die das Auge real erscheinen lassen.

Online Zeichenkurs

Online Zeichenkurs
Lerne schnell und einfach online zeichnen! Mit einem innovativen Video-Kurs inklusive umfangreichem eBook mit viel Wissen, tollen Übungen und jeder Menge praxisnaher Schritt fĂŒr Schritt Anleitungen.

Vorlage und Grundformen

Bevor wir starten, stelle ich dir noch ein Foto zur VerfĂŒgung. Es geht nicht darum, dieses Foto abzumalen, sondern die markanten Details zu erkennen, die wir fĂŒr unsere Zeichnung nutzen werden.

Immer, wenn ich dir gleich etwas erklĂ€re, kannst du meine Aussagen an dem Foto prĂŒfen. Wir werden ein relativ neutrales, „normales“ Auge malen.

Auge Vorlage
© VadimVasenin / depositphotos

Tipp: Du kannst auch dein eigenes Auge fotografieren, wenn du ein Foto benötigst, das du beliebig verwenden darfst.

Und damit können wir auch schon mit einigen Grundformen starten. Ich liebe Grundformen! Das muss an meiner Leidenschaft fĂŒr Sketchnotes liegen.

Grundformen helfen enorm dabei, komplexe Formen herunterzubrechen und Prozesse reproduzierbar zu machen. Aus diesem Grund starten wir unser Auge mit einem Kreis und einem Kreuz.

Bei Skizzen und Vorzeichnungen fĂŒhrt kein Weg an einem guten Bleistift vorbei. Ich prĂ€feriere HĂ€rten zwischen HB und 2B. Außerdem solltest du immer einen Anspitzer und ein Radiergummi parat haben.

Grundformen des Auges zeichnen
  1. Ein einfacher Kreis mit einem Kreuz hilft dabei, das Auge richtig zu platzieren. Der linke Innenwinkel ist etwas weiter unten als der rechte.
  2. Das Auge nimmt etwa ein Drittel der Höhe ein und die Augenwinkel links und rechts sind ungefĂ€hr gleich groß. In Richtung der Nase definierst du leicht abgewinkelt die TrĂ€nenkarunkel.
  3. Mit einer feinen Linie zeichnest du Ober- und Unterlid ein. Direkt unter dem sichtbaren Augapfel besteht das Augenlid aus einer doppelten Linie.
  4. Platziere die Pupille und eine einfache Reflektion. Lichtreflektionen sind besonders wichtig, da sie das Auge lebendig machen und Tiefe erzeugen. Ich nutze fĂŒr diese Anleitung ein einfaches Rechteck (das zum Beispiel einem Fenster entspricht).

SpÀter kannst du auch mit mehreren Lichtreflektionen unterschiedlicher Arten arbeiten. So ist auch eine Kombination aus mehreren Lichtquellen (Fenster, Monitor, Lampe) denkbar und realistisch.

Der Kreis hilft ĂŒbrigens auf doppelte Weise: Wenn du zwei Augen zeichnen möchtest, kannst du drei gleich große Kreise als Orientierung zeichnen. Zwischen unseren Augen findet nĂ€mlich ungefĂ€hr ein Weiteres Platz.

Iris und Pupille

Als erstes malst du nun die Pupille aus. Diese darf richtig dunkel sein, denn dort verschwindet das Licht (um letztendlich auf unserer Netzhaut zu landen).

Pupille ausmalen

Die Pupille wird zu den dunkelsten Stellen des gezeichneten Auges gehören. Du definierst hier also automatisch den dunkelsten Tonwert deiner Zeichnung.

Anschließend können wir die Iris malen. Die Iris ist ein absolutes Wunder der Natur und ebenso einmalig wie unser Fingerabdruck. Die Strukturen innerhalb der Iris sind also immer unterschiedlich. Schau dir dazu gern nochmal verschiedene Fotos an.

Wir starten mit dem Ă€ußeren Ring der Iris und ziehen die Linien stets von außen nach innen.

Äußeren Bereich der Iris zeichnen

Anschließend machen wir das gleiche um den Bereich der Pupille herum. Hier ziehst du die feinen Linien von innen nach außen. Um eine schöne Struktur zu erzeugen, kannst du quasi halbe Ovale nach außen wachsen lassen.

Strukturen um die Pupille

Nimm dir Zeit fĂŒr diesen Schritt und lass die feinen Strukturen nach und nach entstehen. Abschließend schattierst du die gesamte Iris noch etwas, sodass der untere Bereich etwas heller ist. Dort fĂ€llt meist mehr Licht ein, wenn das Licht von oben in unser Auge scheint.

Speziell mit der Zeichnung der Iris kannst du sehr viel Zeit verbringen und extrem fein und detailliert vorgehen. Somit wird das Ergebnis immer realistischer. Wir ziehen hier eine Grenze und widmen uns dem weiteren Prozess – wir wollen schließlich ein komplettes Auge zeichnen. 🙂

Augenlider und Falten

Die nĂ€chsten Schritte bestehen aus feinen Schattierungen. Mit vielen ĂŒberlagerten Schraffuren schaffen wir unterschiedliche Tonwerte und verstĂ€rken die kugelrunde Form des Auges.

Schraffuren und Schattierungen der Augenlider
  1. Als erstes erhĂ€lt der Augapfel einen leichten Schatten. Nach außen hin wird der Schatten dunkler, in der Mitte ist das Weiß des Auges relativ hell. Auch die TrĂ€nenkarunkel wird schattiert, behĂ€lt allerdings einige helle Stellen (da hier meist etwas TrĂ€nenflĂŒssigkeit das Licht reflektiert).
  2. Anschließend folgt das obere Augenlid. Die Linie aus unserer Vorzeichnung dient hier nur als Orientierung. Die Schatten des Augenlids sollten links und rechts weich auslaufen.
  3. Gleiches gilt fĂŒr das untere Augenlid. Hier sind die Schatten meist heller und weicher, da mehr Licht auf das untere Lid fĂ€llt als auf das obere Lid.
  4. In diesem Zuge kannst du gleich einige feine Falten einzeichnen. Egal wie jung das Auge ist – ein paar feine Falten sind immer zu sehen. Besonders markant sind hier die kleinen Lachfalten am Ă€ußeren Winkel des Auges. Diese kommen natĂŒrlich erst mit dem nötigen Alter und der entsprechenden Weisheit. Achja – und nur bei ausreichend Humor.

Bei einem frontalen Blick auf das Auge ist das untere Augenlid deutlich sichtbar und relativ hell. Erhalte diese Helligkeit und nutzen nur einen leichten, zusÀtzlichen Schatten direkt unter dem Lid.

FĂŒr feinere Schattierungen kannst du neben den Schraffuren auch Wischtechniken einsetzen (zum Beispiel mit Estompen).

Wimpern

Was wÀre das Auge ohne Wimpern!? Zeit, dass unser Auge ein paar schicke Wimpern erhÀlt. Diese stehen nicht kerzengerade vom Augapfel ab, sondern kommen in einer Art U-Form unter dem oberen Augenlid hervor.

Wimpern zeichnen
  1. Ich zeichnen die ersten Wimpern am oberen Augenlid. Nach außen hin werden die Wimpern lĂ€nger und Richtung TrĂ€nenkarunkel kĂŒrzer und feiner.
  2. Im zweiten Schritt fĂŒlle ich die Wimpern noch etwas auf, indem ich weitere ovale Striche ergĂ€nze. Diese dĂŒrfen sich durchaus ĂŒberlappen und in verschiedene Richtungen wachsen.
  3. Am unteren Augenlid heißt es aufpassen: Die Wimpern wachsen an der unteren Ă€ußeren Kante – nicht darauf! Die Position der Wurzel variiert dabei natĂŒrlicherweise etwas. Außerdem sind die unteren Wimpern feiner, kleiner und nicht so dicht (da hilft dann nur noch Mascara).
  4. Die Wimpern werden auch im Auge reflektiert – dies ist besonders innerhalb unserer hellen Fenster-Reflektion zu erkennen.

An diesem Punkt wirkt unser Auge schon ziemlich lebendig. Einige letzte Details sind aber noch notwendig.

Schatten und Details

Ein wichtiger Schatten fehlt noch: Der Schatten des oberen Augenlids an sich. Das Augenlid wirft einen Schatten auf den kompletten Augapfel. Zeichne diesen Schatten ein und das gezeichnete Auge wirkt sofort noch dreidimensionaler.

Da das Licht in der Regel von oben kommt, ist dieser Schatten auch meistens vorhanden.

Schatten des Augenlids

Abschließend habe ich noch zwei weitere Details ergĂ€nzt:

  • Ganz feine Äderchen im Augapfel. Diese werden gern vergessen, gehören aber in ein realistisches Auge. Die Linien sollten allerdings sehr fein bleiben, sonst wirkt es schnell gruselig.
  • Ausarbeitung der Iris-Strukturen. Hier lĂ€sst sich, wie bereits beschrieben, viel Zeit mit verbringen. Ich habe versucht die Strukturen noch etwas organischer zu gestalten (mit weiteren Rundungen) und den unteren Bereich noch etwas mit dem Radiergummi aufgehellt.
Äderchen und Iris Strukturen

Damit ist unser Auge komplett! Wie du jetzt noch eine passende Augenbraue zeichnest, zeige ich dir in einem anderen Tutorial.

Zeit und Geduld

Wie fast immer bei menschlichen Zeichnungen mĂŒssen die Grundstriche richtig platziert werden. Danach ist vor allem Geduld gefragt!

Nutze lieber viele feine Schraffuren, statt weniger krÀftiger Striche. Die Geduld lohnt sich, da deine VerlÀufe und Schattierungen somit deutlich feiner und realistischer werden.

Es ist außerdem keine Schande, das Radiergummi zu nutzen um Linien zu korrigieren oder Bereiche nachtrĂ€glich wieder etwas aufzuhellen.

Viel Spaß beim Mitmachen! Wenn du noch einen Augenblick Zeit hast, freue ich mich ĂŒber eine RĂŒckmeldung in den Kommentaren. Hast du bereits ein Auge gezeichnet? Wie gut hat es mit (und ohne) Anleitung geklappt?

8 Gedanken zu „Auge zeichnen lernen“

Schreibe einen Kommentar

Impulse

Kreative Impulse direkt in dein Postfach! Sichere dir unseren kostenlosen Newsletter und erwecke die KĂŒnstlerin oder den KĂŒnstler in dir. ❀

Jederzeit abbestellbar, mehr siehe DatenschutzerklÀrung.

Die Creative Business Masterclass öffnet immer nur fĂŒr wenige Tage. Melde dich unverbindlich zur Warteliste an und sichere dir einen exklusiven Launch-Bonus.

Der nĂ€chste Start ist fĂŒr den Winter 2024 geplant.

Jederzeit abbestellbar, mehr siehe DatenschutzerklÀrung.