Schraffieren lernen: Alle Techniken und Tricks auf einen Blick

Des Zeichners bester Freund ist die Schraffur. Ihre Bandbreite reicht von einfach und schnell bis hin zu komplex und detailliert. Richtiges Schraffieren erlaubt dir die Darstellung von Tonwerten und Plastizität auf unvergleichliche Art und Weise.

Welche Varianten der Schraffur es gibt, wie die einzelnen Techniken funktionieren und wie du typische Fehlerquellen eliminierst zeige ich dir in diesem Artikel.

Übrigens: Schraffurtechniken eignen sich auch ideal als Aufwärmübung vor dem Zeichnen des eigentlichen Objekts.

Skizzen mit Persönlichkeit

Im Gegensatz zum Schummern wirken Schraffuren meist etwas gröber und abstrakter. Dies führt zu einer unvergleichlichen Optik mit ganz eigener Charakteristik. Nicht zuletzt spiegelt die Art des Schraffierens sogar die Persönlichkeit des Zeichnenden wider und kann damit zu einer Art Handschrift werden.

Parallelschraffur

Parallelschraffur

Die optisch simpelste Form der Schraffur wird auch oft als „einfache Schraffur“ bezeichnet. Die vermeintlich einfache Technik birgt aber direkt eine Herausforderung: Das ziehen paralleler Linien! Egal wie locker die Linien am Ende wirken sollen, hier ist Übung gefragt. Das Schraffieren mit Parallelen sorgt dafür, dass deine Zeichnung besonders leicht wirkt und sehr charakterstark daherkommt.

Kreuzschraffur

Kreuzschraffur

Auch hier ist der Name Programm. Bei der Kreuzschraffur überlappen sich die parallelen Linien in einem bestimmten Winkel. Es ist quasi so, als würde man zwei oder mehr Parallelschraffuren übereinander legen.

Die Basis bildet hier oftmals ein 90° Winkel – es sind aber auch alle anderen Überlagerungswinkel möglich.

Formschraffur

Formschraffur

Um die perspektivische Wirkung einer Skizze zu verstärken, versucht man die Parallel- oder Kreuzschraffur an den Kanten eines Objektes auszurichten. Das klappt allerdings nur bei relativ geradlinigen Objekten.

Möchtest du runde Objekte schraffieren, greifst du zu einer weiteren Technik: Der Formschraffur. Dabei folgen deine Linien der Form eines Objektes und sorgen somit für Plastizität. Diese Art der Schraffur nennt sich auch Formstrich.

Kreisschraffur

Kreisschraffur

Die Kreisschraffur hebt sich von den klassischen Formen des Schraffierens ab. Mit ihr erzeugst du eine ganz andere Struktur, um die Oberfläche deines Objektes zu definieren. Eng gesetzt eignet sich die Kreisschraffur auch dazu, relativ weiche Übergänge zwischen verschiedenen Helligkeiten zu erzeugen.

Kritzelschraffur

Kritzelschraffur

Der Begriff „Kritzelschraffur“ ist sicher nicht in Stein gemeißelt – verdeutlicht aber sehr schön, worum es geht. Bei dieser Art der Schraffur vergessen wir sämtliche Systeme und Anordnungen, sondern kritzeln munter vor uns hin. Zugegeben – etwas rationales Denken ist dann doch notwendig, denn die Anzahl der Überlappungen führt zu unterschiedlichen Tonwerten.

Unterschiedliche Tonwerte erzeugen

Das Schraffieren ist eine super Technik, um unterschiedliche Tonwerte zu schaffen. So stärkst du die perspektivische Wirkung einer Zeichnung nicht nur durch das Hervorheben der Struktur eines Objektes, sondern hast gleichzeitig die Möglichkeit Licht und Schatten zu visualisieren.

Den Tonwert deiner Schraffur beeinflusst du über verschiedene Parameter:

  • Den Abstand der (parallelen) Linien
  • Die Anzahl der Überlappungen
  • Die Stärke und Breite der Linie an sich

In Kombination ergibt sich damit eine Vielzahl an Optionen, um Objekte in deinen Zeichnungen zu schraffieren.

Tabu: Exaktes Schraffieren?

Als Hobbyzeichnerin oder Künstler neigt man gern dazu, das lockere Schraffieren aus dem Handgelenk als Mittel der Wahl darzustellen. Hilfsmittel, wie zum Beispiel ein Lineal oder Geodreieck, seien unnötig und eines Künstlers nicht würdig.

Hier widerspreche ich gern, denn in der Kunst gibt es keine Pflicht! Für Schraffuren bedeutet das: Du kannst sie durchaus auch mit einem Geodreieck ziehen. Dies führt zu besonderer Präzision und Gleichmäßigkeit, wie sie zum Beispiel in Architekturzeichnungen häufig zu finden ist.

Lockere und exakte Schraffur

Durch das exakte Schraffieren geht dafür die Lockerheit und der einfache Charakter einer Zeichnung verloren. Wie immer gilt also, dass du deine Technik und Herangehensweise an das Ziel deiner Zeichnung anpasst.

Die richtige Hand- und Armhaltung

Kommen wir abschließend noch einmal zurück zur lockeren Strichführung. Wie gelingt uns diese jetzt am besten?

Eine gute Ausgangssituation erreichst du, indem du die Arbeit für Handgelenk und Unterarm auf zwei Achsen aufteilst. Aus dem Handgelenk ziehst du die Striche der Länge nach und der Arm sorgt dafür, dass du die Linien immer weiter versetzen kannst.

Eine Schraffur im 45° Winkel lässt sich meist sehr angenehm ziehen, da sie unserer natürlich Handgelenkshaltung beim Zeichnen sehr nahe kommt.

Tipp: Natürlich darfst du dein Papier entsprechend drehen, um eine angenehme Position zum Schraffieren einnehmen zu können.

Auch die Geschwindigkeit beeinflusst deine Schraffur maßgeblich. Ziehst du die Striche zu langsam, verlieren sie an Dynamik und werden wackelig. Bist du beim Schraffieren zu schnell, werden die Abstände ungleichmäßig und du malst eher über angrenzende Formen hinweg.

Hast du dein Tempo gefunden, wird das Schraffieren richtig rhythmisch und fast meditativ (ähnlich des Zentangelns).

Zu guter Letzt ist es, wie so oft, die Übung, die zum Erfolg führt. Schraffieren und Zeichnen im Allgemeinen ist häufig ein sehr filigraner Prozess, der viele kleine Muskeln anspricht und vom Gehirn koordiniert werden muss. Dieser Prozess lässt sich trainieren und immer weiter verbessern – aber eben nur durch stetiges Üben! Für dich heißt das: Hör auf zu lesen und schnapp dir einen Bleistift für deine ersten Schraffuren. Zum Beispiel indem du ein Weinglas oder ein paar Berge zeichnest.

2 Gedanken zu „Schraffieren lernen: Alle Techniken und Tricks auf einen Blick“

  1. Wow, herzlichen Dank für die tolle Anleitung! Ich muss meinen Stil noch finden, aber ich werde üben üben und üben!
    Liebe Grüße Christiane 🍀

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